kulturelle extrawurst | kulturelle landpartie e.V. | kultur im landkreis peine

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Aktuell

Zu einer literarisch-kulinarischen Nachtwanderung hatte der Verein Kulturelle Landpartie am Freitagabend eingeladen und die Peiner Südstadt tischte reichlich von dem auf, was dieses Viertel so unverwechselbar macht: Gastfreundliche und engagierte Menschen, schmackhafte und exotische Spezialitäten sowie stimmungsvolle Orte der Begegnung. Gewürzt wurde alles von den Vereinsmitgliedern der Landpartie mit Literatur von Lyrik bis zum Märchen, vom jugoslawischen Nobelpreisträger Ivo Andric bis hin zum Heimatdichter Hermann Löns, so dass das Resümee aller 50 Wanderer nach vierstündigem Ohren- und Gaumenschmaus einhellig war: Satt, zufrieden und voller neuer, belebender Eindrücke.


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Angeführt und dirigiert von Nachtwächter Wilhelm Hilker und seinem lauten, historischen Signalhorn startete die Gruppe am Friedrich Ebert Platz und wurde dort gleich von einem kleinen Amuse Gueule überrascht. Als Gruß aus der Küche servierte Claudia Kreisel im Schein einer Laterne vor dem Wasserturm Philosophisches von Jean Cocteau, bevor Dagrun von Taube in der duftenden Bäckerei Akin die Abenteuer von „Ambrosius Dauerspeck und Mariechen Knusperkorn“ zum Besten gab. Den Geschmack von Baklava und Sesambörek noch auf den Lippen erwartete die nächtlichen Wanderer im Jugendzentrum „Nummer 10“ schon eine scharfe türkische Linsensuppe. Martha Wolfstädter stellte passend dazu „Ein Löffel für den Papa, ein Löffel für die Mama“ von Christine Nöstlinger vor, Judith Kunze erläuterte bei einem Rundgang ihre Arbeit im Jugendzentrum und die Hip Hopper im Partykeller freuten sich über das unerwartete, aber begeistert mitklatschende Publikum.

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Aber schon ging es weiter, denn in Duro Gvoic vom Kerzenschein erhellten Keglerheim stand Cevapcici, gebackener Schafskäse und feuriger Slibowitz bereit. An der Theke des gebürtigen Peiners, dessen Familie ihre Wurzeln in Kroatien hat,  hatten es sich Thomas Kreisel und Michaela Pape gemütlich gemacht, die die schmausende Gesellschaft mit literarischen Reisen nach Sarajewo und in die Welt eines Männerkochclubs unterhielten.

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Der Abschied vom heimeligen Gastraum fiel schwer, aber in der kalten, klaren Herbstnacht stand bereits Cordula Heimburg unter dem Kneipenschild von „Alt Berlin“ und tischte mit  „Pelka“ von Joachim Ringelnatz ein kleines, literarisches Sorbet auf.

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Durch dunkle Straßen führte Hilker dann in Peines älteste Apotheke. Christine Büchner und ihr „Hexenteam“ servierten in der schaurig-schön geschmückten Hirschapotheke stilgerecht Punsch in Messbechern und selbstgebrauten Kräuterschnaps in Reagenzgläsern. Dazu gab es von Uwe Bertram und Brunhilde Duffe-Schmidt die passende literarische Untermalung u.a. mit dem „Hexenlehrling“.

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Als „Cafe am Ende der Welt“ würde Florian Kauschke sein Caritas Stadtteilbüro sicher nicht bezeichnen, doch dass hier mit viel Engagement ein Ort der Begegnung und der Hilfe geschaffen wurde, erläuterte er den aufmerksam lauschenden Landpartie-Wanderern eindrucksvoll. Bei Tee und leckeren selbstgebackenen Keksen entführte dann Vorleserin Uta Hilker in John Streleckys Erzählung vom Cafè mit der ungewöhnlichen Speisekarte. „Schade!“, seufzte eine Zuhörerin, „ich wäre gern noch ein wenig länger geblieben...“. Doch Hilkers Horn tönte unerbittlich durch die Nacht, die nächste Station und die Damen der „Peiner Tafel“ standen auf dem Menüplan. Auch sie hatten den Tisch reich für die Rundgänger gedeckt und Uschi Bantelmann erklärte Arbeitsweise und Konzept der Tafel. Für viele Wanderer ein neuer und auch erschütternder Einblick in alltägliche Not und Armut. Nicht leicht für Ramona Preuss mit ihrem historischen Roman „Der Mund“ von Laurence Haloche den literarischen Bogen zu schlagen, der eine morbid-bizarre Welt um eine Köchin mit einem ganz besonderen Geschmackssinn zum Thema hat. Klar, dass keiner die Hand hob, als Preuss um einen Freiwilligen bat, um eine kleine Blindverkostung durchzuführen. Bärbel Köhler schlug sich dann aber tapfer, wenn auch etwas orientierungslos und mit schwarzer Maske vor den Augen durch das komplette, köstliche Menü, dass die Küche vom Balladins auf nur drei großen Löffeln angerichtet hatte. „Eine verblüffende Erfahrung“.

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Über blätterumwehten Rasen und an großen Bäumen entlang ging es zur hell erleuchteten Werkskantine von Peiner Träger. Dietlind Bertram und Lutz Rachner unterhielten ihr Publikum im Dunst von Fritiertfett und längst vergangenen Mittagessen aufs köstlichste mit Harald Martensteins „Wurst“ und Bil Bufords „Hitze“, serviert wurde dazu polnische Wurst und russischer Wodka.

Endstation Lönskrug, Ausklang im illuminierten Karl-Valentin-Garten mit dampfendem Glühweinbecher in der Hand. Es wurde viel gelacht  zu Hermann Löns Erzählung „Der dicke Pilz“ und dem berühmten „Semmelnknödeln“-Dialog von Karl Valentin. Und natürlich ließ es sich Wirt Claus Geffers nicht nehmen, danach für alle herzhafte Knödel mit aromatisch-heißer Pilzsauce zu servieren.

Auf dem Weg zurück gab es am Kiosk Morgenstern noch ein kleines Schokoladendessert und die Menükarte zur Erinnerung, dann zerstreuten sich die Wege der Wanderer. „ Ich bin total begeistert und nächstes Mal auf jeden Fall wieder dabei“, resümierte Teilnehmerin Carola Meyer und auch Süd-Stadtbewohner Detlef Buhmann war sehr angetan: „Ich habe mich bestens unterhalten und viele neue Einblicke bekommen. Es hat richtig Spaß gemacht“.



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